Deep Search II

Wien, 28. Mai 2010

Die automatische Klassifizierung von Daten, ihre Indexierung und Auswertung stehen im Zentrum neuer Kommunikationsumgebungen. Dahinter steht nicht nur der Anspruch, die auf der Welt vorhandenen Informationen zu organisieren, sondern auch menschliche Beziehungen zu klassifizieren: vom Management des modernen Arbeitsplatzes oder der Konsumenten in Massengesellschaften hin zu dem biopolitischen Management der Netzwerkgesellschaft. Soziometrische Algorithmen quantifizieren alle Bereiche des Lebens, um menschliches Verhalten mathematisch darstellen und Vorhersagen darüber treffen zu können. In der heute boomenden Welt des Data Mining werden algorithmische Methoden, deren Grundlage große Datenmengen sind, routinemäßig dazu verwendet, politischen Einfluss zu ermitteln und soziale Stimmungslagen oder ansteckende Trends zu analysieren. Digitale Transaktionen liefern riesige Mengen privater und halb-privater Daten über persönliche Präferenzen, die gesammelt werden, um tägliche Erfahrungen zu verwandeln und zu individualisieren.

Einen wichtigen Nexus stellen Suchmaschinen dar, vielseitig einsetzbare Werkzeuge, die in vielen Dimensionen des Lebens Einzug gefunden haben – und mit ihnen der stetig anwachsende Umfang von Dienstleistungen, die durch Suchmaschinenprovider angeboten werden. Suchbasierte Gesellschaften zu verstehen erfordert nicht nur eine Analyse der Frühgeschichte der Aufbewahrung und Indizierung von Information, sondern auch die eingehende Betrachtung komplexer neuer Formen von Information Retrieval und Datenanalyse. Dies beinhaltet sowohl die neue Position von Suchmaschinen in einer hierarchisch von oben gesteuerten Kontrollmatrix wie andererseits in bottom-up Empfehlungssystemen, push search, folksonomies und der angeblichen Weisheit der Menge. "Suche" kann nur verstanden werden, wenn die sich noch entwickelnde Umverteilung von Macht in digitalen Netzwerken sowohl in ihren zentralisierenden wie dezentralisierenden Dimensionen angesprochen wird.

Die Konferenz Deep Search II konzentriert sich auf wichtige Themen in diesem schnellen und dynamischen Feld. Sie wird die historischen Dimensionen der Versuche, Menschen und Informationen zu organisieren, beleuchten und sich mit der Politik der Suche, Konflikten und Dimensionen der Macht auseinandersetzen. Die Beschäftigung mit zukünftigen Klassifikationssystemen jenseits von Suche, Tracking und Systemen sozialer Empfehlungen, inklusiver neuer Formen von Pattern Recognition in großen Datenmengen, wird ebenfalls einen Fokus der Konferenz bilden.


In Kooperation mit dem IRFS 2010

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Konferenz, Wien, 28. Mai 2010

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